In der letzten Zeit hat die Diskussion über die Kastration von Katzen im Babyalter sehr zugenommen, aber nicht immer stehen dabei die wissenschaftlichen Fakten im Mittelpunkt des Interesses. Wie so manches kommt diese Methode aus den USA und wird auch hierzulande von immer mehr Züchtern eifrig praktiziert. Lesen Sie hier unsere Stellungnahme zu diesem brisanten Thema.

 

 Über den Sinn und Unsinn der Frühkastration

Alle höher entwickelten Säugetiere kommen nicht als geschlechtsreife Wesen auf die Welt. Bis zum erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Organismus dauert es je nach Tierart unterschiedlich lange. Das Wachstum und die Entwicklung der Fähigkeit zur Fortpflanzung, samt der Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, stehen bei allen höher organisierten Tieren unter hormoneller Kontrolle. Dabei werden von männlichen als auch von weiblichen Tieren beide Hormontypen, nämlich männliche und weibliche Sexualhormone gebildet. Der Unterschied liegt einerseits im Produktionsorgan (z.B. Eierstock bzw. Hoden), andererseits in der Konzentration. Im Gehirn gibt es eine hormonelle Steuerzentrale, das Hypothalamus-Hypophysensystem. Dieses System koordiniert alle hormonproduzierenden Organe im Körper. Hormone sind chemische Botenstoffe und wirken durch Andocken an Rezeptoren. Fehlen diese Rezeptoren, ist eine Wirkung unmöglich.

 

Bei der Beurteilung der Frühkastration im Babyalter darf nicht vergessen werden, dass die Sexualhormone nicht nur geschlechtsspezifische Wirkungen entfalten, sondern auch den Allgemeinstoffwechsel, das Wachstum und das psychische Verhalten beeinflussen. Die Erklärungen zur Frühkastration durch verschiedene Tierärzte sind sehr widersprüchlich und es gibt auch nur eine geringe Zahl von objektiven wissenschaftlichen Untersuchungen. Die meisten Studien fassen lediglich klinische Beobachtungen und Befragungen unter Tierärzten und Tierbesitzern zusammen. Wegen einer nicht vermeidbaren Subjektivität in der Beurteilung der klinischen Symptome, aber auch wegen nicht vergleichbarer Versuchsbedingungen führen diese Ergebnisse oft zu sehr widersprüchlichen Schlussfolgerungen.

 

Für unsere Zucht gilt daher folgendes Fazit: bis zum endgültigen Nachweis der absoluten Unbedenklichkeit für die Tiere wird in unserem Hause keine Frühkastration der Kitten durchgeführt werden. Wir sind außerdem der Meinung, dass zweimalige Impfungen gegen drei verschiedene Krankheiten (Katzenseuche, Katzenschnupfen und Leukose) und der Besitzerwechsel in der dreizehnten Lebenswoche genug Stress für ein knapp drei Monate altes Tier bedeuten und werden ihm nicht auch noch die Belastung einer großen Operation unter Vollnarkose zumuten. Der Vorteil der Frühkastration für den Züchter liegt auf der Hand, nämlich das Unterbinden des Zuchteinsatzes einer als Liebhabertier gekauften Katze. Um wie viel schwerer wiegt da jedoch in unseren Augen die Belastung, die dieser Eingriff für das kleine Katzenkind bedeutet.